Noch nicht beim alten Eisen

Noch nicht beim alten Eisen

Neue Perspektive für ältere Bewerber? (aktualisiert)

Erfahren und dynamisch zugleich

second-chance.jpg

geralt | pixabay.com

Mit 50 Jahren und älter hat es jeder auf dem ohnehin hart umkämpften Arbeitsmarkt schwer. Obwohl es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gibt, das jegliche Art von Diskriminierung – auch Altersdiskriminierung – verhindern soll, trügt der Eindruck nicht, dass gerade ältere Bewerber immer seltener auch nur eine Chance bei potenziellen Arbeitgebern erhalten.

Was also tun? Aufgeben? Nein, niemals! Besinnen Sie sich auf Ihre bisherige Berufsbiografie (Lebenslauf), auf Ihre Stärken und Kompetenzen und definieren Sie so Ihr Lebens- und Berufsziel und Ihr Bewerberprofil – mit anderen Worten: Starten Sie Ihre eigene Bewerbungskampagne.

Gegen Widerstände

Was wird nicht – hinter vorgehaltener Hand – zwischen manchen Arbeitgebern bzw. Personalern über ältere Bewerber getratscht? Sie seien verbraucht, ausgebrannt, nicht mehr so belastbar, zu unflexibel, krankheitsanfällig und vieles mehr. Die Skepsis ist da auf Seite der Arbeitgeber groß. Doch es gilt, gegen diese unberechtigten Vorurteile anzugehen.

Damit ist nicht gemeint, dass Sie sich extrem jünger machen, sich gar liften, Botox spritzen lassen 😉 oder gar bei Ihrem Geburtsdatum im Lebenslauf lügen. Letzteres kann schlimme Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung haben (vgl. dazu Jochen Mais Bericht über Lügen bei der Bewerbung).

Während in Deutschland die Beschäftigungsquote von älteren Arbeitnehmern bei rund 50 Prozent (Stand 2015) liegt, ist diese in anderen europäischen Staaten wie den skandinavischen Ländern, Großbritannieren und der Schweiz mit rund 70 Prozent deutlich höher. Andererseits braucht es bei deutschen Arbeitgebern auch Zeit, bis sich das Umdenken hin zum „gesunden“ Generationsmix in der eigenen Arbeitnehmerschaft durchsetzt. Dabei klagen sie selbst über den demografischen Wandel und den Mangel an Fachkräften.

Seitens der Bundesregierung wurde ein späteres Renteneintrittsalter mit 67 Jahren (oder noch später!) angestrebt, was nun der harten Realität geschuldet wieder herabgesetzt wurde auf 63 Jahren – unter ganz bestimmten Bedingungen (Stand 2015).

Tim Reckmann | pixelio.de

Tim Reckmann | pixelio.de

Eine Lösung ist, dass Sie sich als älterer Bewerber offen gegenüber aktuellen und neuen Bewerbungsstrategien und Kommunikationstechnologien zeigen. Die klassische gedruckte Bewerbungsmappe hat in Zeiten des allgemein verfügbaren Internets nahezu ausgedient. Es wird auf E-Mail- und Online-Bewerbungen gesetzt. Grundlegende PC-Kenntnisse und Internetumgang werden – stillschweigend – heute von jedem erwartet. Dazu gehört auch, dass jeder Bewerber mindestens über eine eigene E-Mail-Adresse (vgl. Info-Report „E-Mail for you„)  verfügen sollte. Ebenso ist natürlich die mobile Kommunikation via Smartphone und die damit einhergehende allumfassende Erreichbarkeit heute üblich.

Auch das Design oder besser Layout heutiger Bewerbungen hat sich verändert – bis hin zur Schriftart. Einige ältere Bewerber werden auch einen etwas anderen – nämlich direkteren – Umgangston „anschlagen“ müssen. Die Höflichkeits-Konjunktive („würde, könnte, hätte, wäre …“) haben ausgedient. Der Bewerber heute weiß sowohl über den angestrebten Beruf als auch über seine Qualifikationen und sein Können genau Bescheid. Jede einzelne Bewerbung ist individuell und auf das jeweilige Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, zugeschnitten. Das gesamte Bewerbungsverfahren ist anspruchsvoller geworden. Machen Sie dabei nicht den Fehler, sich auf Ihr Alter und die langjährige Erfahrung zu konzentrieren. Nicht die Dauer der Erfahrung oder die Zeit sind entscheidend, sondern was genau Ihre Erfahrung „inhaltlich“ ausmacht. Ich verweise hier ausdrücklich auf den Bericht von Jochen Mai auf karrierebibel.de.

Insbesondere gilt es – besonders im Anschreiben (vgl. Info-Report Teil 1Teil 2 und Teil 3) – mit den eigenen Kompetenzen und Pro-Argumenten, dem potenziellen Arbeitgeber ein reizvolles Leistungsangebot zu machen.

Im Allgemeinen müssen Sie also nicht erklären, dass Sie über einen „großen Erfahrungsschatz“ in Ihrem Beruf verfügen, sondern müssen dies wesentlich detaillierter bezogen auf den künftigen Job dem Personaler bzw. Ansprechpartner für Ihre Bewerbung bei diesem einen Unternehmen vor Augen führen. Vorzüge älterer Bewerber bzw. Mitarbeiter sind z. B.: Menschenkenntnis, soziale Kompetenz, Berufserfahrung verbunden mit spezifischen Fachkenntnissen, Pünktlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit, Integrität bis hin zum unternehmerischen Mitdenken.

Weitere Informationen:

 

 

Kommentare sind geschlossen.