Beruf ist ein Lebensziel

Beruf ist ein Lebensziel

Der geeignete Bewerber …

… bin ich!

Stephanie  Hofschlaeger | pixelio.de

Stephanie Hofschlaeger | pixelio.de

 Wer bist du und wer willst du sein?

Oft schon als Kleinkind werden wir von den älteren Verwandten und Bekannten (unserer Eltern) gefragt: Was willst du werden, wenn du einmal groß bist? Später stellen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die entweder eine Ausbildung anstreben oder ein Hochschulstudium beginnen wollen, dieselbe Frage: Was soll ich (damit) einmal werden? Nun sollte der Beruf nicht unbedingt das Allerwichtigste in unserem Leben sein, aber auch nicht die niedrigste Priorität haben. Es gilt die Weisheit: Augen auf bei der Berufswahl!

Nur ist diese Frage letztlich die falsche. Denn Wer ein (menschlich und sozial) erfülltes Leben anstrebt, den führt die Frage nach dem „Was“ nicht weiter. Karrieren verlaufen heutzutage selten in einheitlichen Bahnen. Die Entscheidung für oder gegen einen Berufsweg – ja, selbst für oder gegen einen Beruf an sich – ist heute für junge Menschen nicht mehr festgemauert in der Erden bzw. geradezu mit Granitplatten festgelegt. Berufswechsel sind heute in verschiedenen Branchen und Bereichen durchaus möglich. Das macht die anfängliche Entscheidung allerdings auch nicht leichter! 

Bei der Bewerbung stellen sich die meisten Bewerber die Frage: Was will ich werden? Es kommt aber viel mehr darauf an mitzuteilen, was man selbst kann und vor allem wer man ist. Gehen Sie in sich und beantworten die beiden Fragen für sich:

  • Wer will ich sein?
  • Wer will ich werden?

Nabelschau aufs ICH

Wenn Sie (für sich) über diese beiden Fragen nachdenken, dann betreiben Sie im Grunde eine „Nabelschau“ auf Ihre eigene Persönlichkeit – auf Ihr ICH. Wenn sich jeder von uns selbst die Frage stellt: Wer will ich sein? Dann bedeutet das zunächst mal, dass wir von jetzt auf gleich jemand anders sein möchten, als wir es gerade im Moment sind. Offenbar geht es hier doch ganz klar um einen Persönlichkeitswechsel, oder? Nein! Denn die Grundpfeiler unserer Persönlichkeit, unseres Charakters können wir beim besten Willen gar nicht ändern. Geben wir – nach außen hin – vor, diese bzw. diesen geändert zu haben, schauspielern wir. 

Denise | pixelio.de

Denise | pixelio.de

Jochen Mai lobt zurecht die zweite Frage: Wer will ich werden? Diese liegt auf höherem Niveau. Wie Mai in seinem Bericht erklärt:

„(…) ist eine ganze Evolutionsstufe weiter. Zuerst setzt sie voraus, dass man schon weiß, wer man ist. Dass man sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist. Denn nur, wer weiß, woher er kommt, also den Ausgangspunkt kennt, kann auch einen Kurs bestimmen. Eine solche Frage führt zugleich aber auch dazu, sein Leben als Prozess zu betrachten, als Weg, auf dem man sich – selbstbestimmt – entwickeln kann. Ja genau: selbstbestimmt! Wer sich diese Frage stellt, treibt nicht einfach so durchs Leben, entwickelt sich nicht zufällig, sondern auf ein gewähltes Ziel hin. Und es ist gut, Ziele zu haben. Langfristige wie kurzfristige.“

Dieses Unterfangen funktioniert nicht kurzfristig, sondern braucht geistige und emotionale Arbeit. Dabei arbeiten wir an uns selbst. Laut Jochen Mai nehmen wir bei der Beantwortung dieser Frage eine „demütige Haltung“ ein – in der Form: „Ich bin noch nicht so weit. Aber ich bin auf dem Weg dorthin!“

Wer will ich werden? – gibt uns eine große Chance. Jeder einzelne von uns kann selbst entscheiden, wer er werden will. Die Frage impliziert auch eine Aufforderung: „Du musst nicht so bleiben, wie du bist oder wie dich andere sehen.“ Jochen Mai verdeutlicht abschließend:

„Obwohl das natürlich auch völlig ausreichend sein kann. Trotzdem kann wohl keiner behaupten, dass wir uns nicht doch im Laufe der Jahre weiterentwickeln. Wir sind nicht mehr der Teenager, der wir mal waren (bis auf die paar Kindsköpfe da draußen). Und wer Kinder hat, weiß sowieso, wovon ich spreche. Wir entwickeln uns so oder so. Aber wer fragt, der führt – und in diesem Fall sich selbst. Es mag nur eine Nuance sein, die beide Fragen unterscheidet. Oberflächlich. Und doch unterscheiden sie sich gewaltig im Ergebnis: Willst du etwas sein, um zu scheinen – oder etwas werden, um zu sein. Ganz oft ist schon der Weg das Ziel.“

Cristine Lietz | pixelio.de

Cristine Lietz | pixelio.de

Zusammengefasst bedeutet das: Horchen Sie in sich hinein. Ihr Bauchgefühl trügt oft nicht. Bezogen auf die Arbeits- und Berufswelt bedeutet das: Sie spüren sofort, ob Ihnen eine Arbeit oder gar ein Beruf liegt oder nicht. Lassen Sie sich bei der Berufswahl nicht vom äußeren Schein (ver-)blenden. Hat ein Beruf gerade ein gutes Image, kann er morgen schon verpönt sein. Das ist keine Entscheidungshilfe. Denken Sie mal an den Versicherungs- oder Bankkaufmann. Früher hatte dieser Beruf mal ein relativ gutes Ansehen, heute wird er von der Mehrheit der Bevölkerung nicht gerade sehr respektiert, um es mal diplomatisch auszudrücken.

Bedenken Sie auch, dass der Beruf zu Ihrer Persönlichkeit passen sollte – zumindest weitestgehend. (Das gilt übrigens genauso für die Wahl eines Studienfachs!) Sie müssen diesen schließlich jeden (Arbeits-)Tag ausüben, haben Sie dann keinerlei Aufgaben, die Sie auch halbwegs erfreuen, kommt der Burn-Out und die innere Abkehr und letztlich die totale Frustration schneller als Sie vielleicht jetzt denken. [=> Vgl. unseren Info-Report über das Berufsziel].

Für ein gutes „Feeling“ sollten Sie sich jeden Tag ein Erfolgserlebnis bewusst machen. Das bedingt eine gute Selbstreflexion (siehe 2. Seite dieses Info-Reports).

Seiten: 1 2

Kommentare sind geschlossen.