Einleitung im Anschreiben

Einleitung im Anschreiben

Wie fange ich das Anschreiben an?

Beispiele für erste Sätze eines Bewerbungsanschreibens

Update 23.10.2018: Gerade das Anschreiben erfordert Ihre ganze Kreativität und Einfallsreichtum. Das weiße Blatt, selbst wenn Sie schon Absender- und Empfängeradresse samt Datum und Betreff notiert haben, mit Text zu füllen, bereitet den meisten Bewerberinnen und Bewerbern Schwierigkeiten. Da gilt die Volksweisheit „Aller Anfang ist schwer“. Wie wir in den bereits erschienenen Info-Reports dargelegt haben: 

 Ihr Anschreiben soll hauptsächlich von Ihren Stärken und Kompetenzen handeln. Damit machen Sie dem potenziellen Arbeitgeber ein Angebot, das dieser (möglichst) nicht ablehnen kann.

Selbst wenn einem theoretisch und praktisch der grundsätzliche Inhalt klar ist. Selbst wenn Sie sich schon die bestmögliche Struktur bzw. inhaltliche Gliederung zurechtgelegt haben, liegt einem bei der praktischen Umsetzung des Anschreiben-Konzepts eine besondere Hürde im Produktionsweg: Der erste Satz!

Denn der Einleitungssatz muss zum Weiterlesen anregen. Er soll direkt schon auf Ihre Eignung für den ausgeschriebenen Beruf hinweisen. Die zurecht verpönten Eingangsfloskeln wie

  • hiermit bewerbe ich mich als …
  • mit großem Interesse habe ich Ihr Stellenangebot … gelesen …

weisen Sie, wie wir in den genannten Info-Reports schon erörtert haben, als unkreativen, ideenlosen Nichtskönner aus, der nicht mal ein eigenes, individuelles Anschreiben hinkriegt.

Günther Gumhold | pixelio.de

Günther Gumhold | pixelio.de

Aber wie fängt man an? Es gab mal einen Schlagerhit von der bayrischen Band „Relax“: A weißes Bladdl Papier, dös liagt hia voa mia (⇔ Lautschrift). Obwohl es bei diesem Song eher um den K(r)ampf bei der Abfassung eines Liebesbriefes ging, ist die Schwierigkeit auch hier die Gleiche. Wie beginne ich mein Schreiben, so dass ich möglichst die nächste Hürde im Bewerbungsprozess erreiche: das Vorstellungsgespräch. Da kann ich mich nicht mit Floskeln und althergebrachten, angestaubten „Mustersätzen“ zufriedengeben. Ich muss möglichst eigenständige, authentische Formulierungen finden, die sich mit mir und meinem Kommunikationsverhalten decken.

Tatsächlich gibt es hier Ratschläge und Tipps und auch Vorlagen, derer Sie sich bedienen können. Wichtig! Passen Sie diese Beispielsätze auf Ihr Anschreiben und die Informationen von sich, die Sie dem potenziellen Arbeitgeber mitteilen wollen an. Ein reines Abschreiben – kurz: ein Plagiat – ist bisher keinem gut bekommen. Da sind die prominenten Politiker-Beispiele nicht die letzten.

Vielleicht sollten Sie aber vor der Abfassung Ihrer Bewerbung erst noch einige Fragen klären, die dann die Formulierung Ihres Anschreibens erleichtern. Dann rufen Sie doch bei dem Unternehmen an.

Beispiele für Einleitungssätze

Auf dem Info-Portal zu Bewerbungen, Social Media und vielem mehr karrierebibel.de gibt es einige kommentierte Beispiele (Zitat):

Sehr geehrte Frau XY,
Sie suchen einen entscheidungsfreudigen und versierten Entwicklungsingenieur für _____________,  für den soziale Kompetenz, Organisationstalent und Durchsetzungskraft nicht bloß Worthülsen, sondern gelebte Praxis sind?

Finden Sie den ersten Satz „frech“? Da irren Sie sich. Dieser Anfangssatz zeugt zurecht von gutem Selbstbewusstsein. Da schreibt ein Bewerber, der über die eigenen Kompetenzen Bescheid weiß und sich dieser bewusst ist. Er wird dieses im Schreiben natürlich auch noch belegen müssen mit Hinweisen auf seine bisherige berufliche Praxis. Aber der Bewerber hat Engagement, Kompetenzen und Leistungswillen zu bieten. Damit sollten Sie nicht hinterm Berg halten, sondern dieses eindeutig und klar zur Sprache bringen.

Grundsätzlich gilt: Das Anschreiben sollte nicht – wie früher (vielleicht!) mal – in Bürokratendeutsch verfasst werden! Schreiben Sie selbstbewusst und durchaus so, wie Ihnen – mit Verlaub – „der Schnabel“ gewachsen ist. Das wirkt viel authentischer und ehrlicher als jede gestelzte Formulierung, die völlig künstlich und unecht wirkt.

Natürlich sollen Sie mit Ihren Stärken, Berufskompetenzen und Fähigkeiten punkten, aber vergessen Sie nicht, dass ein Anschreiben schriftliche Kommunikation ist. Auch wenn Sie nicht sofort die Gedanken und vielleicht sogar die Gefühle des Lesers mitbekommen, eine Antwort werden Sie erhalten. Ansonsten ist eine freundliche, telefonische Nachfrage nach frühestens 14 Tagen des Versands erlaubt.

Thilo Wendler empfiehlt auf bewerbungs-tipps.de, durchaus direkt von Anfang an auf die Erfordernisse und Erwartungen des Unternehmens, bei dem man sich bewirbt, einzugehen. Das berühmte Einfühlungsvermögen – kurz: die Empathie – als kompetenter Bewerber kommt hier klar zum Ausdruck. Sie haben von Beginn an an den Arbeitgeber gedacht und bieten ihm mit Ihrem Können und Ihrer Leistung die Lösung seiner Probleme. Zitat:

Sehr geehrter Herr Mustermann,
wenn Sie Ihr vorhandenes Local Area Network in ein modernes, stabiles und kostengünstiges System umrüsten wollen, dann kann ich, als langjährig erfahrener Linux-Systemadministrator, Ihrem Unternehmen helfen, dieses Ziel zu verwirklichen.

Übrigens handeln Sie in Ihren Einleitungssätzen niemals die Quellenangabe der Stellenanzeige ab. Auch wenn das von einigen Bewerbungs-„Ratgebern“ online und offline häufig empfohlen wird. Die Quellenangabe der Stellenanzeige gehört in den Betreff als zweite (!) Zeile! Zum Beispiel:

Bewerbung als Produktionshelfer
(Ihre Anzeige) jobboerse.arbeitsagentur.de vom 23.07.2014

Wie in unseren bisherigen Ratgeberberichten zum Anschreiben bereits mitgeteilt, haben Sie letztlich auf Ihrem Briefbogen nur etwa eine halbe DIN-A4-Seite Platz, um mit wenig Text den Personaler von sich zu überzeugen. Also verschwenden Sie nicht diesen wertvollen Platz mit solchen Nebensächlichkeiten. Das ist eine Zusatz-Service-Leistung des Bewerbers, die allein für die Anzeigenstatistik des Personalers interessant ist. Es ist Ihrer persönlichen Bewerbungsabsicht weder besonders zuträglich noch (bei Weglassen dieser Info) besonders abträglich. Aber wenn Sie diese Information geben wollen, nutzen Sie – wie erklärt – die zweite Betreffzeile.

Sie können sich aber gezielt auf ein zuvor geführtes Telefonat mit dem Personaler beziehen. Das ist in jedem Fall ein sehr empfehlenswerter Anfang Ihres Bewerbungsanschreibens. Hier gilt – wie bei jedem Satz: Schreiben Sie direkt und klar und machen Sie keine Umschweife, die etwa durch Höflichkeitsfloskeln Eingang in Ihr Schreiben finden.Wenn wir schon gerade über Tabus reden: Hüten Sie sich vor Konjunktiven wie „würde, könnte, sollte“ usw.! Das sind Höflichkeitsformen, die in den 1950-er bis 1970-er Jahren noch galten, aber heute definitiv nicht mehr!

Auf der Webseite bewerber-forum.de habe ich auch einige durchaus treffende Musterformulierungen für Einleitungssätze gefunden. Beispielsweise haben Sie konkret mit einem Bekannten über eine offene Stelle in dem Unternehmen gesprochen, in dem dieser arbeitet. Dann nennen Sie diesen Bekannten – vorausgesetzt, er hat dem zugestimmt (!) – beim Namen. Der Personaler wird sich jedenfalls mit dem Chef freuen, dass ein Mitarbeiter das eigene Unternehmen empfohlen hat. „Vitamin B“ (B = Beziehungen) will schließlich genutzt sein. Ein Beispielzitat von dieser Seite ist:

Sehr geehrter Herr Mustermann,
Ihr Mitarbeiter Herr Dr. Müller hat mir von Ihren erstklassigen Produkten und Dienstleistungen berichtet. Damit das so bleibt, benötigen Sie auch in Zukunft Mitarbeiter, die motiviert sind, erstklassig zu werden und zum Erfolg Ihres Unternehmens etwas beitragen zu wollen. Deshalb …

Jetzt werden Sie vielleicht (zurecht?) einwenden, dass „von Ihren erstklassigen Produkten und Dienstleistungen“ ja sehr „schleimerisch“ wirkt. Vergessen Sie aber nicht, dass Ihre Bewerbung ein Werbefeldzug in eigener Sache ist – kurz eine ICH-Kampagne. In Werbetexten aller Art wird etwas dick aufgetragen. In diesem Zusammenhang hier und vor allem mit dem durchaus selbstbewussten Anschlusssatz „Damit das so bleibt …“ wird diese vermeintliche „Schleimerei“ wieder aufgehoben und der Bewerber geht hier direkt und unmissverständlich auf seine Stärken, Kompetenzen usw. ein.

Update: Bitte lesen Sie hierzu auch den folgenden Bericht von Mirjiam Franke von/auf arbeits-abc.de durch.

Grundsatz zu diesen Beispielen

Alle die genannten Beispiele für Einleitungssätze Ihres Bewerbungsanschreibens sind natürlich nur als Anhaltspunkt, als mögliche Orientierung für Ihre eigenen Formulierungen gedacht. Wie schon erörtert, bringt reines Abschreiben gar nichts und weist Sie letztlich als Nichtskönner aus.

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