Assessment-Center für angehende Azubis

Assessment-Center für angehende Azubis

Von Marlene Keller, 

Schulabgänger haben heute sehr gute Chancen, einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf zu erhalten. Der drohende – in manchen Branchen bereits deutlich spürbare – Fachkräftemangel zeigt Unternehmen, wie wichtig es ist, eigenen Nachwuchs zu fördern und in die Ausbildung zu investieren. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Bewerber eingestellt wird. Das Assessment-Center (AC) ist ein gängiges Instrument der Personalauswahl, das auch bei der Besetzung von Ausbildungsstellen gern eingesetzt wird. Sie können viel Geld für Bücher ausgeben, die Ihnen eine optimale Vorbereitung auf ein Assessment-Center versprechen. Sie können aber auch ganz einfach mit Ihrer Persönlichkeit überzeugen.

Kennenlernen auf beiden Seiten

Assessment-Center leitet sich vom englischen Wort to assess ab, das bedeutet einschätzen. Und genau darum geht es in einem AC. Der Arbeitgeber will den Bewerber besser kennenlernen, seine Fertigkeiten und sein Verhalten auch in der Gruppe oder in Stress-Situationen einschätzen. Da in der Regel mehrere Bewerber eingeladen werden, bietet sich für ihn die Möglichkeiten zum direkten Vergleich. Aber auch der angehende Azubi kann für sich etwas lernen. Aus den gewählten Übungen und Aufgabenstellungen erfährt er nämlich, auf welche Punkte der künftige Arbeitgeber besonderen Wert legt. Über die zu den Interessenschwerpunkten passenden Berufsbilder kann man sich vorab informieren, zum Beispiel über Internet-Portale wie . Diese allgemeinen Beschreibungen verraten aber nicht, was der Azubi von einem bestimmten Unternehmen zu erwarten hat. Wie sind beispielsweise Kleiderordnung und Gesprächston, auch zwischen den Beobachtern auf Arbeitgeber-Seite? Wird gesiezt oder geduzt? Ein lockerer Umgang ist möglich, ohne dass der Respekt zu kurz kommt.

Diese Fähigkeiten werden getestet

Ein Teil des Assessment-Centers beschäftigt sich meist mit analytischen Fähigkeiten und Leistungsverhalten, also zum Beispiel strukturiertes Denken, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Kreativität. Solche Kriterien lassen sich aber ebenso gut in einem klassischen Einstellungstest abfragen. Wichtiger ist die Interaktion in einer Gruppe – Überzeugungskraft, Konfliktlösung, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen, selbstverständlich aber auch die selbstkritische Reflexion. Wer sich hier verstellt und eine Vorstellung aus dem Lehrbuch abliefert, tut sich selbst keinen Gefallen. Erstens ist das Schauspiel vermutlich leicht zu durchschauen, zweitens würde der Azubi als jemand eingestellt, der er in Wahrheit nicht ist. Das ist keine gute Voraussetzung für einen glücklichen Berufseinstieg. Übrigens, Horrorgeschichten von heimlicher Beobachtung während der Pausen entbehren meist jeder Grundlage. Dafür sorgt schon die Anwesenheit eines Betriebsrats beim AC. Dennoch sind gute Tischmanieren beim gemeinsamen Mittagessen sicher von Vorteil.

Kommentare sind geschlossen.