Alles eine Frage der Motivation

Alles eine Frage der Motivation

 

Gekünstelte Antworten greifen nicht

Albrecht E. Arnold | pixelio.de

In 99,9 Prozent aller Vorstellungsgespräche taucht immer die Frage auf: „Was ist Ihre Motivation?“ Viele Bewerberinnen und Bewerber haben sich darauf vorbereitet und geben eine meist gestellte, gut klingende Antwort. Doch diese gekünstelte Aussage greift oft nicht und der Personaler macht sich gleich ein realistisches Bild der Bewerberin und des Bewerbers. Sie sollten es richtig machen und möglichst bei der Wahrheit bleiben.

Glauben Sie als Bewerberin bzw. Bewerber nicht, dass es allein darauf Ihre fachliche Kompetenz ankommt. Fachlich geeignet sind relativ viele Leute, die sich auf eben diese eine Stellenanzeige beworben haben. Noch viel wichtiger ist, dass Ihre Motivation stimmt. Denn, wie es in einem Fachbericht auf karrierebibel.de so richtig heißt:

Motivierte Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Arbeitgeber, sind loyal (treu), engagieren sich für den gemeinsamen Erfolg, können Herausforderungen meistern, statt sofort das Handtuch zu werfen und wachsen zusammen mit dem Unternehmen.

Motivation der Mitarbeiter ist also der Produktivitätsfaktor für jedes Unternehmen. Das US-Beratungsunternehmen Gallup beobachtet seit 2001 den Markt und weist nach, dass fehlende oder abnehmende Motivation schnell zum Jobwechsel führt. Das kostet die Unternehmen oft Milliarden (vgl. Handelsblatt-Bericht).

Dabei geht in der Wahrnehmung der Arbeitnehmer nicht nur um gute Entlohnung ihrer Leistungen, sondern auch die Behandlung durch den Arbeitgeber. Das Betriebsklima ist (mit-)entscheidend, wie Statista.de nach einer Umfrage belegt:

Neue Mitarbeiter sollen den Unternehmen lange erhalten bleiben. Denn allein für die Personalakquise wendet das jeweilige Unternehmen schon einiges an Kosten und Mühen auf. Darum achtet der Personaler darauf. Zudem soll der künftige Mitarbeiter selbstverständlich entsprechende Leistungen erbringen, die zum Unternehmenserfolg beitragen. Mangelt es der Bewerberin bzw. dem Bewerber (= dem neuen Mitarbeiter) aber schon zu Beginn an dieser Motivation, sind die genannten Ziele nicht zu erreichen. Insofern fragt der Personaler hier genau nach.

Frage-Variationen

Neben der üblichen Fragestellung, was Ihre Motivation ist, gibt es noch Varianten:

  • Was begeistert Sie an dieser Arbeit/diesem Beruf?
  • Warum wollen Sie für uns (= das Unternehmen) arbeiten?
  • Weshalb haben Sie sich für diese Stelle beworben?
  • Welche Ziele haben Sie in diesem Beruf?

Motivierte Mitarbeiter sind für jedes Unternehmen ein Gewinn! Denn es erwachsen daraus mehrere Vorteile:

Kosten sparen

Um ein Gewinnmaximierung zu erreichen, müssen im Unternehmen Kosten – wo immer möglich – gesenkt werden. So auch bei der Personalakquise. Denn die Stellenanzeigen und Auswahlverfahren kosten nun mal Geld, das das Unternehmen nun mal zur Gewinnung des passenden Mitarbeiters ausgeben muss. Verlässt der neue Mitarbeiter wegen fehlender „Begeisterung“ (= Motivation) nach kurzer Zeit das Unternehmen, muss die Suche erneut gestartet werden – mit dem gleichen finanziellen Aufwand für das Unternehmen.

Motivation wird belohnt – interne Förderung

Wenn es einem neuen, motivierten Mitarbeiter auch mal an speziellem Fachwissen mangelt, kann dieser auch intern – also im Unternehmen – gefördert und an gegebenenfalls neue Aufgaben herangeführt werden. Selbstverständlich ist der Arbeitgeber bei motivierten Mitarbeitern auch viel eher zu Förderung bereit.

Wie es in dem schon zitierten Bericht von karrierebibel.de heißt:

Das (interne Förderung motivierter Mitarbeiter) ermöglicht eine höhere Spezialisierung, spart erneut Kosten und ist durch die interne Leistung ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz.

Hohe Fluktuation – Imageschaden fürs Unternehmen

Ein Arbeitgeber hat ein schlechtes Image, wenn Mitarbeiter nach nur wenigen Monaten das Unternehmen verlassen. Die hohe Fluktuation erschwert natürlich auch – entscheidend – die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Ein positives Bild in der Öffentlichkeit vermittelt meist der Arbeitgeber, der über ein gutes Betriebsklima dank engagierter, motivierter Mitarbeiter verfügt. 

Motivationsfrage – Stellenwert im Vorstellungsgespräch

Thomas Schlott | pixelio.de

Wer im Vorstellungsgespräch auf die Motivationsfrage antwortet, dass er es nur wegen des Geldes macht, hat freilich schon verloren. Als idealer Bewerber sollten Sie angeben, was Sie in diesem Job antreibt, welche Tätigkeiten bzw. Aufgaben Sie besonders gerne erfüllen und vergessen Sie auch nicht, sich auf bisherige (passende) Berufserfahrung zu beziehen.

Geben Sie dem Personaler also tiefere Einblicke in das, was Sie antreibt, was also Ihre Einstellung und Ihr Arbeitsstil ist.

Dabei sollten Sie nicht auf abgedroschene, allgemeine Phrasen verfallen. Mitzuteilen, dass Sie Ihr Wissen vertiefen und sich gerne beruflich weiterentwickeln wollen, ist so allgemein und führt hier nicht zum Ziel. Ebenso wenig zielführend sind Allgemeinplätze, wie „ich will das Team unterstützen und gemeinsam erfolgreich sein…“ oder „es motiviert mich, meine Kreativität einsetzen zu können…“.  Das würden höchstwahrscheinlich auch andere Bewerber sagen. Wichtig ist, dass Sie sich auf diese eine Stelle und dieses eine Unternehmen konzentrieren. Sie sollten in dem Vorstellungsgespräch stets eine Beziehung zwischen sich als potenziellen neuen Mitarbeiter und dem Unternehmen herstellen. Das führt eher zum Ziel.

So können Sie auf die Motivationsfrage beispielsweise antworten: (Zitat karrierebibel.de):

In Ihrem Unternehmen sehe ich die Chance, meine Kreativität gewinnbringend einzusetzen, um neue und innovative Lösungswege zu entwickeln und das Prozessmanagement zu optimieren.

Hier nehmen Sie direkten Bezug auf Ihre künftige Position im Unternehmen (Prozessmanagement) und das wirkt überzeugend.

Emotionen können Sie nicht an der Eingangstür des Unternehmens hängen lassen. Sie sind auch bei der (künftigen) Arbeit mit im Spiel. Insbesondere, wenn Sie Leidenschaft für den Beruf entwickeln, sind Sie meist auf der Gewinnerseite. Das sollten Sie auch im Vorstellungsgespräch und gerade auch auf die Frage, was Sie an Ihrer (neuen) Arbeit begeistern/motivieren wird, einbringen. Bleiben Sie aber bei der Wahrheit und übertreiben Sie nicht. Personaler merken sofort, wenn ein Bewerber lügt.

Eine Beispielantwort, die hier greift, habe ich erneut auf karrierebibel.de gefunden (Zitat):

Für mich stand schon immer fest, dass ich als Programmierer arbeiten wollte. Die Technik, die Programmiersprachen, das fertige Produkt – all das fasziniert mich ungemein und begeistert mich auch nach Jahren noch. Und Ihr Unternehmen als Marktführer und treibende Kraft bei Entwicklungen gibt mir die Möglichkeit, diese Leidenschaft auf dem höchsten professionellen Niveau auszuüben.

Wichtigste Regel bei all Ihren Antworten im Vorstellungsgespräch: Bleiben Sie authentisch und ehrlich (im strategischen Sinne). Eine gelogene oder gekünstelte Antwort bemerkt der Personaler sofort, denn darauf ist er dank seiner Ausbildung und Erfahrung spezialisiert.

 

 

 

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